Amnesty International Gruppe 2349 / 1310

Impressum | Login

Gruppe 2349 / 1310

StartseiteInfosBelarus-Geschichte

Belarus - Geographie und Geschichte

Geographische Lage


Karte von Belarus

Belarus liegt im östlichen Europa und grenzt im Osten an die Russische Föderation, im Westen an Polen, im Norden an Litauen und Lettland, im Süden an die Ukraine. Bis 1991 war Belarus ein Teil der UdSSR.
Mehr Landkarten

Name

Der offizielle - auch deutsche - Name Weissrusslands ist Republik Belarus, der Name sollte folglich im offiziellen Zusammenhang nicht übersetzt werden. "Weißrussland" ist lediglich die wörtliche Übersetzung von Belarus. In älteren deutschen Quellen wird auch noch der Begriff Weißruthenien verwendet. Wir verwenden hier für den modernen Staat den Namen "Belarus". Die Sowjetrepublik bezeichnen wir traditionsgemäß als Belorussische SSR (BSSR). Obwohl es zahlreiche Theorien über die Herkunft des Namens gibt, ist man noch weit davon entfernt zu wissen, was an Belarus "weiß" ist, auch wenn manche - sonst seriöse - Werke eine Lösung als die richtige angeben.

Natürliche Bedingungen

Das Klima in Belarus ist mild und entspricht noch nicht dem kontinentalen Klima Russlands. Die belarussische Landschaft ist weitgehend flach, nur durch den Norden des Landes zieht sich ein Streifen mit hügeliger Landschaft, der aber nie höher als etwa 350 m wird. Im Süden des Landes gibt es große Sumpfgebiete. Belarus verfügt auch über große Waldgebiete mit zum Teil urtümlicher Tierwelt. Im Nationalpark Beloweshskaja Pustscha (Urwald von Belowesha) an der polnischen Grenze leben etwa noch große Herden von Wisenten - europäischen Bisons. Großen Schaden hat die Natur von Belarus nach den Unglück im nur wenige Kilometer von der belarussisch-ukrainischen Grenze gelegenen Atomkraftwerk Tschernobyl genommen. Etwa 20% des Landes wurden dabei radioaktiv verseucht.

Bevölkerung

Belarus besitzt etwas über 9 Mio Einwohner, größtenteils Russen und Weißrussen. Daneben gibt es einige größere nationale Minderheiten: Polen, Juden, Ukrainer und Litauer. Der größte Teil der Bevölkerung gehört der orthodoxen Kirche an, es gibt aber auch größere römisch- und griechisch-katholische Gruppen und eine Reihe kleiner Gemeinschaften, etwa Protestanten oder eine alteingesessene islamische Gemeinde tatarischer Herkunft. Über die Hälfte der Bevölkerung lebt in Städten, wobei die wichtigste die Hauptstadt Minsk ist. Zu den anderen größeren Städten gehören das an der Grenze zu Polen gelegene Brest (als Brest-Litowsk aus dem Geschichtsunterricht bekannt) und Vitebsk, die Heimatstadt von Marc Chagall.

Geschichte

Ab Mitte des ersten nachchristlichen Jahrtausends war das Gebiet des heutigen Belarus Teil des Siedlungsgebietes ostslawischer Stämme, aus denen später die Völker der Russen, Weißrussen und Ukrainer entstehen sollten. Ab etwa dem 9. Jhd. wurden die Gebiete zunehmend Teil der Kiewer Rus, des russischen Urstaates. Als die östlichen Teile der Rus im 13. Jhd. unter mongolische Herrschaft gerieten, blieben die weißrussischen Fürstentümer zunächst unabhängig, kamen aber zunehmend unter den Einfluss des Großfürstentums Litauen, das sie schließlich annektierte. Damit wurde das Großfürstentum Litauen zu einem weißrussischen Staat, in dem die Weißrussen etwa 90% der Bevölkerung stellten und die weißrussische Kultur eine erste Blüte erlebte, da Weißrussisch zur Sprache der Eliten und der Verwaltung wurde. Damit war auch endgültig die Eigenständigkeit der weißrussischen Sprache vom naheverwandten Russisch begründet. Die 1991 entstandene Republik Belarus sah sich zunächst auch durchaus in der Tradition des Großfürstentums, was sich darin zeigte, dass man das alte litauische Emblem zum Staatswappen wählte. Das auf weißrussisch "Pagonia" (etwa: Verfolgungsjagd) genannte Wappen stellt einen Ritter zu Pferd dar und ist bis heute Wappen der Republik Litauen.

Ab Ende des 14. Jhds wurde das Großfürstentum zunehmend mit dem Königreich Polen vereinigt, behielt aber zunächst die kulturelle Eigenständigkeit. Erst Ende des 17. Jhds wurden Polnisch und Latein zu den Sprachen die Verwaltung, der litauische und weißrussische Adel wurden zunehmend polnischsprachig. Bei den polnischen Teilungen Ende des 18. Jhds fiel Belarus an das Russische Reich, das die Existenz einer weißrussischen Nation nicht anerkannte. Mitte des 19. Jhds begann auch unter den Weißrussen ein neues Nationalbewusstsein zu entstehen, das von einer dünnen intellektuellen Elite getragen wurde - die meisten Weißrussen waren Bauern. Zu einer Blüte weißrussischer Kultur kam es nach der Revolution von 1905, als das Druckverbot für weißrussische Bücher aufgehoben wurde.

In den Wirren nach der Oktoberrevolution im Jahr 1917 gelang es den weißrussischen Unabhängigkeitsbewegungen, eine Weißrussische Volksrepublik zu gründen, die aber nur etwa ein Jahr bestand. Danach wurde Belarus als Belorussische Sozialistische Sowjetrepublik (BSSR) in die Sowjetunion einverleibt. Der westliche Teil des weißrussischen Sprachgebiets kam an Polen. In der Anfangszeit der Sowjetunion setzte sich die Entwicklung der weißrussischen Kultur fort. Das änderte sich Anfang der dreißiger Jahre: das kulturelle Leben wurde gleichgeschaltet, zahlreiche Schriftsteller wurden ermordet oder kamen in Arbeitslager. Sogar die Sprache wurde offiziell reformiert und dem Russischen ähnlicher gemacht. Die Bewohner Belarus' gehörten zunächst zu den Opfern stalinistischer Säuberungen, nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion waren sie die Hauptleidtragenden der deutschen Besatzung. Die meisten weißrussischen Städte lagen nach dem Krieg in Trümmern, etwa ein Viertel der Bevölkerung kam ums Leben, darunter fast alle Juden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel ein Teil der von der UdSSR annektierten, ehemals polnischen Gebiete, an die BSSR. Damit war auch das Territorium der modernen Republik Belarus festgelegt, wobei die genaue Grenzziehung keinen erkennbaren Prinzipien folgte. Obwohl die BSSR kein unabhängiger Staat war, war sie neben der UdSSR und der Ukrainischen SSR Gründungsmitglied der UNO. Die Nachkriegszeit führte zu einer starken Industrialisierung von Belarus, nach 1956 konnte sich auch die Kultur wieder entfalten. 1986 wurde Belarus zum größten Leidtragenden des Unfalls im Atomkraftwerk von Tschernobyl.

Infos Belarus